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Einführung in die Langzeitbelichtung + Tipps vom Foto-Fachhändler

Entschleunigte Fotografie mit künstlerischen Effekten

Es ist dunkel. Es ist kalt. Sie stehen auf einer Brücke. Ihre Kamera richten Sie auf die darunter liegenden Gleise. Die Belichtungszeit beträgt auf 30 Sekunden. Eine S-Bahn rauscht heran. Sie betätigen den Auslöser und es passiert … gefühlt nichts. Doch während Sie der S-Bahn nachschauen, hat Ihre Kamera ein Kunstwerk erschaffen.

Ob Einsteiger oder Fortgeschrittene: Mit einer Langzeitbelichtung können Sie besondere Momentaufnahmen kreieren. Es braucht keinen flotten Finger auf dem Auslöser, sondern ganz viel Geduld. Was braucht es noch? Wissenswertes zum Begriff, zur Bildwirkung und zur Umsetzung erfahren Sie jetzt.

Begriffserklärung: Das ist eine Langzeitbelichtung

Von einer Langzeitbelichtung sprechen Fotografen, wenn für längere Zeit Licht auf den Bildsensor fällt. Das heißt: Die Blende der Kamera ist verhältnismäßig lange geöffnet.

Es gibt zwei Gründe, warum Fotografinnen lange Belichtungszeiten nutzen:

1. Sie fotografieren bei schwachem Umgebungslicht und nutzen die längere Zeit, um mehr Licht auf den Bildsensor zu bringen.

2. Sie wollen Bewegung künstlerisch festhalten und den Prozess zeigen, nicht nur eine ganz kurze Momentaufnahme. (Hierauf konzentrieren wir uns in diesem Artikel.)

Doch was heißt „längere Zeit“? Mehrere Sekunden? Das hängt vom Motiv ab, das Sie festhalten möchten. Bei einem 50-Meter-Sprint sind Belichtungszeiten unter einer Sekunde schon lang, während für den Nachthimmel Minuten bis Stunden nötig sein können.


Übrigens: Haben Sie schon mal vom Bulb-Modus gehört? Das ist die internationale Bezeichnung für die Langzeitbelichtung. Das Wort stammt noch aus Zeiten, wo ein Blasebalg als Fernauslöser fungierte.


So wirkt sich eine längere Belichtungszeit auf das fertige Foto aus

Sie wissen jetzt, dass eine Langzeitbelichtung mehrere Sekunden, Minuten oder Stunden dauern kann. Nun beschäftigen wir uns damit, wie diese Zeit die Bildwirkung beeinflusst.

Mit einer Langzeitbelichtung können Sie Bewegung in einem unbewegten Bild festhalten. Denn:

  • durch die lange Belichtungszeit entsteht eine Bewegungsunschärfe: Objekte, die sich bewegen, sehen verschwommen aus. Dabei gilt: Je länger die Belichtung, desto stärker verschwimmt das Objekt.
  • statt die Bewegung einzufrieren, wirkt das Foto dynamisch. Betrachtende können Bewegungen wahrnehmen, die das bloße Auge normalerweise nicht sieht, etwa die Drehung unserer Erde auf einer Nachtaufnahme.


Sternen Fotografie
Sternen Fotografie


Sie möchten wissen, wie die Langzeitbelichtung eines Sternenhimmels funktioniert? Klicken Sie auf das Bild. Dort finden Sie eine Kurzanleitung.


Keine Zauberei, aber trotzdem magisch: Bildbeispiele für Langzeitbelichtung

Sie lieben fotografische Experimente? Eingesetzt als kreatives Werkzeug, können Sie mit der Langzeitbelichtung beeindruckende Fotos erstellen. Es braucht viel Übung. Aber mit etwas Geduld werden Sie Fotos erhalten, die wirken, als wären Sie nicht von dieser Welt. Schauen Sie zum Beispiel auf das folgende Bild: Haben Sie schon mal eine solche Aufnahme von Wasser gesehen? Das Foto zeigt keine Momentaufnahme, sondern eine Zeitspanne der Bewegung. Sie können den Bewegungsprozess sehen. Das tosende Meer wirkt soft, neblig. So einen Anblick kann das menschliche Auge nicht selbst generieren. Das funktioniert nur mithilfe von Fototechnik. Genau wegen dieser magischen Bilder lieben wir von Foto Mundus die Fotografie.

 

Langzeitbelichtung Meer
Langzeitbelichtung Meer

Wir haben im Team ein kurzes Brainstorming gemacht: Welche Motive können Sie mit dieser Funktion umsetzen? Schauen Sie sich unsere Ergebnisse an:

 


Skyline von Frankfurt


Light Painting

Autoverkehr
Langzeitbelichtung Autoverkehr

 

  • die Bewegung von Wolken
  • fahrende Autos bei Tag oder Nacht
  • Light Painting
  • ein Wasserfall
  • das tosende Meer
  • ein Bachlauf
  • ein vorbeifahrender Zug
  • Gebäude, in denen sich Menschen bewegen
  • Gewitterblitze
  • ein Feuerwerk
  • Sternenhimmel
  • Straßenbeleuchtung
  • eine Achterbahn
  • eine Skyline …

 

Fallen Ihnen noch weitere Motive für die Langzeitbelichtung ein?


Wie funktioniert die Langzeitbelichtung? 6 Tipps vom Kamera-Fachhändler


1. Die passende Kamera für Langzeitbelichtungen

Bei vielen Kameras – sowohl Kompakt- als auch Spiegelreflexkameras – können Sie unterschiedliche Belichtungszeiten einstellen. Im Optimalfall besitzt Ihre Kamera manuelle Einstellungsmöglichkeiten: So können Sie neben der Zeit auch Blende und ISO selbst einstellen.


Unser Tipp: Schauen Sie im Fotofachgeschäft nach einer Vollformatkamera, zum Beispiel eine Nikon Z6.


2. So können Sie die Belichtungszeit verändern

Schauen Sie sich das Funktionswählrad unserer Beispiel-Kamera genauer an: Dort finden Sie den Buchstaben „S“. Dieser steht für „Blendenautomatik“. Sie können die Belichtungszeit selbst wählen, während die Kamera die passende Blende selbst einstellt. Die Skala geht bis 30 Sekunden. Möchten Sie eine längere Zeit einstellen, wechseln Sie den Modus: Drehen Sie das Rad auf „M“ für „Manuell“. Dort finden Sie zwei Einstellungsmöglichkeiten für individuelle Belichtungszeiten:

  • Der Verschluss bleibt so lange offen, wie Sie den Auslöser drücken.
  • „Time“: Hier starten Sie die Belichtung mit der Betätigung des Auslösers. Sie beenden Sie, indem Sie den Auslöser ein zweites Mal drücken.


3. Denken Sie daran, auch Blende und ISO anzupassen

Ist Ihr Motiv eher hell oder eher dunkel? Für die richtige Belichtung müssen Sie neben der Belichtungszeit auch an Blende und ISO drehen: Niedrige Werte (z. B. ISO bei 100) gleichen bei Tageslicht den erhöhten Lichteinfall durch die lange Belichtungszeit wieder aus. Mehr zu ISO und Blende erfahren Sie hier.


4. Stativ, Fernauslöser und Co als Unterstützung

Die Langzeitbelichtung spielt zwar mit Verwischungen, ein komplett verwackeltes Bild möchte jedoch niemand. Das kann passieren, wenn die Kamera in einer unruhigen Hand liegt oder einen klitzekleinen Stoß abbekommt. Abhilfe schafft ein Stativ.

Selbst das Drücken des Auslösers kann für eine Erschütterung der Kamera sorgen: Nutzen Sie einen Fernauslöser (Kabel oder Funk), damit das Bild nicht komplett unscharf ist.

Wenn Sie Fotografie-Einsteiger sind, besitzen Sie höchstwahrscheinlich kaum Zubehör. Die ersten Schritte in Sachen Langzeitbelichtung können Sie auch ohne dieses Zubehör schaffen: Ein Stein oder eine Mauer stellt einen guten Stativ-Ersatz dar. Anstatt eines Fernauslösers können Sie auch den verzögerten Selbstauslöser verwenden. Diese Funktion bringen viele Kameras von Haus aus mit.


5. Tschüss, Bildstabilisator!

Der Bildstabilisator ist ein kleiner Hypochonder: Bei einer Langzeitbelichtung mit Stativ kann es sein, dass er Bewegungen beseitigen möchte, die gar nicht da sind. Schalten Sie ihn also aus.


6. Graufilter für Langzeitbelichtungen bei Tageslicht

Eine lange Belichtungszeit heißt: Es fällt viel Licht durch das Objektiv. Das kann besonders bei Tageslicht zu stark überbelichteten Bildern führen. Gönnen Sie Ihrer Kamera eine Sonnenbrille: ein sogenannter Graufilter (auch Neutraldichte genannt). Der Filter verschluckt Licht, ohne die Farben zu verändern. Er ermöglicht Ihnen somit eine längere Belichtungszeit.


Achtung: Wenn Sie diesen Filter einsetzen, können Sie sich nicht mehr auf den Autofokus verlassen. Stellen Sie Bildausschnitt, Fokus, Blende sowie Belichtungszeit ein, bevor Sie den Filter aufsetzen. Je nachdem, wie stark Ihr Graufilter ist, müssen Sie die Belichtungszeit noch mal anpassen, nachdem Sie den Filter angebracht haben.


Unser Hinweis für Einsteiger: Bevor Sie sich an eine Langzeitbelichtung mit Graufilter heranwagen, üben Sie den Umgang mit dem manuellen Fokus.

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